ÜBER DAS LANGE DORF GELENAU

Was war – Was ist

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Gelenau (Gäln), gelegen im romantischen Erzgebirge zwischen den Städten Chemnitz und Annaberg-Buchholz, ist ein Dorf mit einer langen spannenden Geschichte und einer pulsierenden Gegenwart. Die Historie reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Dichte dunkle Fichten- und Tannenwälder prägen damals diese unwirtliche Natur-Landschaft. Doch im Zuge der deutschen Ostexpansion (zirka 10. bis 13. Jahrhundert) dringen Siedler, vor allem aus dem Rhein-Main-Lahn-Gebiet und Thüringen, in dieses waldreiche Land ein und machen es durch Wald-Rodungen urbar – eine entscheidende Voraussetzung auch für die Entstehung des Dorfes Gelenau (geile, fruchtbare Aue), das 1273 urkundlich zum ersten Mal erwähnt wird. Der Ort schlängelt sich entlang eines Seitentales des kleinen, kaum 18 Kilometer langen Flusses Wilisch, der den langen, aus vielen Rieseln gespeisten Dorfbach aufnimmt. Gerichtsberg, Galgenberg und Kegelsberg sind die bedeutendsten Erhebungen des Ortes. Zumindest die Namen Gerichtsberg und Galgenberg lassen erahnen, was sich hier im Mittelalter möglicherweise ereignet hat. Heute genießt man von diesen Höhen aus romantische Ausblicke auf den Ort und seine pittoreske Umgebung.

Das Dorf erstreckt sich über eine Länge von zirka sechs Kilometern mit einem Höhenunterschied von 250 Metern. Deshalb spricht man häufig von Unter-Gelenau (370 Meter hoch) und Ober-Gelenau (620 Meter hoch). Gegenwärtig leben zirka 4 500 Menschen in dieser malerisch gelegenen Gemeinde, die zur Region Ober-Erzgebirge – von Gelenau bis Oberwiesenthal – gehört. Wirtschaftlich ist der Ort im Verlaufe seiner Geschichte vielfältig geprägt worden. Der Bogen spannt sich von der Landwirtschaft über das Handwerk und die Strumpfwirkerei bis hin zu Spinnereien und Strumpffabriken im Industrie-Zeitalter. Die industriell geprägte Landwirtschaft, das Handwerk sowie Dienstleistungsunternehmen dominieren heute das wirtschaftliche Geschehen. Zwei traditionsreiche Schulen gibt es im Dorf: die Pestalozzi-Grundschule und die Freie Schule Erzgebirgsblick, eine Ganztagsschule.

Kulturell bietet Gelenau seinen Bewohnern oder Besuchern vielfältige Kultur- und Sportmöglichkeiten. Dazu zählen beispielsweise ein attraktives Erlebnis-Schwimmbad, Sportplätze und –hallen, ein fast 30 Meter hoher Aussichtsturm, Wanderwege, ein Strumpf-Museum, eine öffentliche Bibliothek, ein Club-Kino und Wintersport-Möglichkeiten.

Eine besondere Sehenswürdigkeit des Ortes ist die evangelisch-lutherische Dorfkirche aus dem 16. Jahrhundert, die am Fuße des Gerichtsberges steht und weit sichtbar über dem Dorf thront.

Eingebettet ist das Dorf in eine zu jeder Jahreszeit malerische Erzgebirgslandschaft mit ihren Bergen und Tälern, ihren Wäldern, Wiesen und Feldern.

Wer kennt sie schon

die Wilisch in Gäln?

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Wohl kaum der Rede wert, die Wilisch in Gäln – ab und an kann man das auch von Ortsansässigen hören. Das scheint auch auf dem ersten Blick so zu stimmen. Fließt dieser Fluss doch unscheinbar nur auf einer kurzen Strecke durch Unter-Gelenau. Kein Flößer, kein Schiff, kein Schwimmer wurden je hier gesehen. Trotzdem gehört die Wilisch als Wahrzeichen zu unserem Dorf. Zahlreich sind die Gründe dafür. Drei davon seien angedeutet. Da ist zum einen der geschichtliche Bezug. Von Anbeginn jeder menschlichen Zivilisation haben die Menschen meistens dort gesiedelt, wo es Wasser in Gestalt von Bächen und Flüssen gibt. Zuallererst aus lebensnotwendigen, lebenssichernden Gründen.  Deshalb verwundert es nicht, dass entlang der Wilisch Menschen im Zuge der deutschen Ostexpansion (zirka 10. bis 13. Jahrhundert) das waldreiche, unwirtliche Land roden, sesshaft werden und so Hufen-Dörfer entstehen, die heute auf eine lange Geschichte zurückschauen. So eben auch Gelenau, das sich in einem Seitental der Wilisch entlang schlängelt. Mit seinem Dorfbach, seinem Mittel-Gebirgsbach, der sich aus Quellen und Rieseln der unmittelbaren Umgebung speist und bei starkem, anhaltendem Regen oder bei rascher Schneeschmelze durchaus bedrohlich ansteigen kann. So 1882 durch einen Wolkenbruch. Straßen und Wege sind sofort überflutet. Häuser werden beschädigt. Menschen kommen in den Fluten zu Tode – ein Denkmal im Dorf erinnert daran. Solche Gefahren gehen heute wohl vom Gelenauer Dorfbach, vor allem wegen der getroffenen Hochwasser-Schutzmaßnahmen, nicht mehr aus. Doch schwere Gewitter, sintflutartiger Regen, Wolkenbrüche sind nie auszuschließen und können selbst einen Dorfbach rasch in ein reißendes Gewässer verwandeln. So geschehen im Juli 2009. Der Bach mäandert durch den langen Ort und fließt in Unter-Gelenau in die Wilisch hinein.

Zum anderen ist die Wilisch einst ein Wirtschaftsfaktor ersten Ranges gewesen. Die Wasserkraft nutzend haben am Fluss prachtvolle Mühlen gestanden und gearbeitet, um die sich übrigens nicht wenige spannende, mündlich überlieferte Legenden ranken. Spuren von Kalköfen belegen, dass in Flussnähe einst Kalkstein gewonnen und gebrannt worden ist. Vor allem im Zuge der Industriealisierung vom 19. zum 20. Jahrhundert entstehen an der Wilisch große Fabriken der Textil- und Papierbranche – nicht zuletzt zeugt davon der mächtige Industriebau der einstigen Baumwollspinnerei (1906 erbaut) an der Wilisch in Gelenau.

Heutzutage haben sich die Wege entlang der Wilisch herausgeputzt für Wanderer und Radfahrer – vor allem dort, wo einst die Schmalspurbahn (1886 bis 1972) unmittelbar am Fluss entlang schnaufend fuhr und nützliche Dienste verrichtete. Eine Spazierreise an der Wilisch entlang, zu Fuß oder per Rad, ist zu jeder Jahreszeit ein beeindruckendes Natur-Erlebnis durch eine malerische und abwechslungsreiche Flusslandschaft, die in Harmonie mit schmalen und manchmal weiten Tälern, steil aufsteigenden Höhen und felsigen, bewaldeten Bergen steht. Der Fluss, kaum dass er an den letzten Häusern von Gelenau vorbei geflossen ist, erreicht hier sein weitestes Tal mit einer breiten und idyllischen Auen-Landschaft. Verweilt man hier, schaut zurück in Richtung Gelenau, eröffnet sich ein pittoresker Weitblick über die einstige Baumwollspinnerei hinweg bis zum Gerichtsberg, dem höchsten Berg des Dorfes. Und für all jene unter uns, die an Kulturgeschichte interessiert sind, ist ein Wandern und Spazieren entlang der Wilisch noch immer auch eine spannende und lehrreiche Entdeckungsreise in das Leben und Tun der Menschen an der Wilisch, in ihre Geschichte und Kultur – einst und jetzt.

 

Über die Wilisch

Die Wilisch entspringt im Greifensteingebiet, oberhalb des Ortes Ehrenfriedersdorf; sie ist weder breit noch tief. Sie vereinigt sich mit dem Jahnsbach vor dem Ort Herold und windet sich in zahlreichen Bögen durch sehenswerte Erzgebirgsorte, wie Herold und Gelenau. Sie  durchfließt reizvolle kleine und größere Steinbogenbrücken. Neben Fichten stehen und wachsen an der Wilisch hohe alte Laubbäume – vor allem Buchen, Eichen, Birken, Linden und Ahorn. Vom Quellgebiet bis zur Mündung beträgt das Längsgefälle des Flusses zirka 310 Meter. Nach knapp 18 Kilometern mündet die Wilisch, mal plätschernd, mal brausend, in die Zschopau bei Wilischthal.

BERGAUF, BERGAB – AUF SKIERN, MIT DEM SCHLITTEN, ZU FUSS

Vom Winter in Gäln

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Winter in Gäln. Über das Dorf kommen, nicht selten, über Nacht vom Osten her klirrende Kälte, starker Wind und viel, viel  Schnee. In der Frühe sind die Wege verschneit und verweht. Die Dächer der Häuser tragen weiße Hauben. Hoch liegt der Schnee vor den Haustüren. Schneewehen türmen sich auf Feldern und Wiesen. Aus den Wäldern sind über Nacht herrliche Märchenlandschaften geworden… Staunend schauen dann Jung und Alt auf Verwandlung und Verzauberung des Ortes durch die Ankunft des Winters. Dicke Mäntel, Pullover, Handschuhe, Schals, gefütterte Stiefel – die Winterkleidung liegt schon lange bereit und wird angezogen. Vergnügt und laut stapfen Kinder auf ihrem Weg zur Schule durch den hohen Schnee. Mütter oder Väter ziehen auf Schlitten ihre Jüngsten zum Kindergarten. Berufstätige bahnen sich den Weg zu ihren verschneiten Autos. Nicht nur rüstige Pensionäre beginnen schon am Morgen eifrig Schnee zu schippen. Natürlich hat der große Schneepflug schon in aller Herrgottsfrühe die wichtigsten Straßen des Dorfes vom Schnee befreit…

Das Leben mit Schnee, Eis und Kälte hat begonnen. So oder so ähnlich. Schnell wird das Winter-leben zum ganz normalen Alltag, denn raue, kalte und schneereiche Winter gehören zum Erzgebirge, auch zu Gelenau – und nicht nur auf die Kammlagen über 1 000 Meter Höhe. Besonders freudig wird die Ankunft des Winters natürlich bei den kleinen und großen Winter-Sportlern begrüßt: bei den Langläufern auf Skiern, bei den Abfahrtsläufern, bei den Rodlern, aber auch bei den heiteren Wanderern durch die verschneite Landschaft. Vielleicht geht es hinauf auf die Höhenwege, beispielsweise die Eisenstraße, auf denen man Gelenau fast durchgängig umwandern und dabei reizvolle Ausblicke auf Landschaft und Ort im weißen Schmuck genießen kann. Für die Abfahrtsläufer gibt es am Gerichtsberg einen zwar kurzen, aber steilen Skihang mit Schlepplift. Auf dessen Höhe angekommen, eröffnet sich ein malerischer Blick auf den gegenüberliegenden bewaldeten Kegelsberg. Tief durchatmend bestaunt man dieses Winter-Panorama und rauscht –

nach Augenblicken des Verweilens – mit frischem Mut und Schwung den schneebedeckten Steil-Hang erneut hinunter …

Dänische Partnergemeinde von Gelenau seit 1995

Romantisches Skørping

(Rebild Kommune)

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Skørping. Gelenau. Seit 25 Jahre verbindet die beiden Gemeinden eine enge Partnerschaft (siehe dazu Amtsblatt Gelenau, Februar 2021, S. 28 f.).

Die dänische Partnergemeinde des Dorfes liegt in einer malerischen Natur- und Kulturlandschaft in Nord-Jütland – unweit der prachtvollen alten Stadt Aalborg am Limfjord, im größten natürlichen und zusammenhängenden Waldgebiet Dänemarks, Rold Skov genannt, das sich über mehr als 80 Quadratkilometer ausdehnt. Eine einzigartige Wald-, Heide- und Wasser-Landschaft mit reichem Tierleben gibt es hier zu erleben und zu bestaunen. Unter anderem reicht das von uralten krummen, aus vielen Stämmen bestehenden, mit Moos bewachsenen Rold-Buchen, die sich über Jahrhunderte den hier herrschenden sandigen Lebensbedingungen angepasst haben. Über die dicht bewaldete Hügellandschaft Rebild Bakker (Naturschutzpark) mit grasenden Schafen und enorm wasserreichen Quellen mit seltenen Pflanzen und Tieren bis hin zu großen Seen mit glasklarem Wasser. Nahe bei Skørping lädt der mitten im Wald gelegene reizende Gasthof Rold Storkro zum Rasten bei einem vorzüglichen Mahl ein. Der Gast kann hier auch vorzüglich übernachten.

In der dänischen Gemeinde leben knapp 3 000 Menschen; sie gehört zur Rebild Kommune, die sich aus vielen kleinen Orten zusammensetzt. Skørping ist verkehrstechnisch gut angebunden; auf der Bahnlinie zwischen den Städten Randers (im Süden) und Aalborg (im Norden) verkehren moderne S-Bahnen. Der Bahnhof befindet sich gleich am Ortseingang; gegenüber steht das Kultur- und Touristikzentrum des Ortes. Direkt im kleinen Zentrum der Gemeinde befindet sich auch ein Hotel.

Ganz gleich aus welcher Richtung man sich Skørping nähert: Die auf einem Hügel stehende hohe weiße Kirche mit dem roten Dach ist nicht zu übersehen – ein spätromanischer Ziegelsteinbau, der über die Jahrhunderte viele bauliche Änderungen erfahren hat. Im Kirchen-Innenraum, klein und schlicht ausgestattet, in den Farben weiß und blau gehalten, dominiert eine kunstvoll in den Raum eingefügte, vom Boden bis zur Decke reichende Orgel. Ihrem warmen und mächtigen Klang zu lauschen, ist ein großartiges Erlebnis, ein Vergnügen.

Von besonderem Reiz, dies sei noch erwähnt, zeigt sich Gammel Skørping (Alt-Skørping) mit seinen alten und niedrigen Fachwerk-Häusern und der kleinen, aus dem 12. Jahrhundert stammenden Wallfahrtskirche.

Nun ja, da kann man nur sagen: Auf nach Nord-Jütland, nach Skørping! … wenn Reisen auch nach Dänemark wieder möglich sein werden …