Gelenau um 1856

… ist überhaupt ein sehr armer Ort

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Wer möchte nicht wissen, wie in der langen Geschichte von Gelenau unsere Altvorderen gearbeitet und gelebt haben? Wie sah das Dorf über die Jahrhunderte aus? Wie hat es sich entwickelt, wie verändert? Durch die großen geschichtlichen Ereignisse im Lauf der Zeit, durch die hier lebenden und tätigen Menschen.

Für unser Dorf in der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt ein prägnanter Text dazu recht anschaulich Auskunft. Zu finden ist dieser im Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von 1856, der nachfolgend, leicht gekürzt, in Original-Schreibweise, wiedergegeben wird.

Gelenau, ein ¾ Meilen langer Flecken, reicht vom linken Wilzschufer bis zur Annaberg-Leipziger-Strasse hinauf … Ein Theil dieses Dorfes sammt dem sonst amtssässigen Rittergute stand ehedem unter dem Amte Wolkenstein; ein stärkerer von 5 Bauern, 12 Halbhüfnern, 10 Gärtnern, 43 Häuslern und einer Mühle mit 2 Gängen gehörte unmittelbar unter das frühere Amt Augustusburg, wiewohl es von demselben sehr entfernt liegt. Erst am 31. Oktober 1796, wo das Rittergut zu Gelenau die Schriftsässigkeit erlangte, kam es an das Amt Wolkenstein.
Jetzt gehört Gelenau mit Thum und Jahnsbach zum Gerichtsamt Ehrenfriedersdorf, zum Bezirksgericht Annaberg … Gelenau hat 331 bewohnte Gebäude, 969 Familienhaushaltungen und 4682 Einwohner.
Fast alle Einwohner des Dorfes nähren sich von Klöppeln weisser Spitzen. Die zahlreichen Maurer und Zimmerleute gehen im Frühjahre meist in die Ferne, besonders nach Berlin, im Winter kehren sie heim und helfen klöppeln. Ausserdem wird hier viel Flachs erbaut und bedeutend ist hier der Korn- Bretter- und Butterhandel.
Unter den bewohnten Gebäuden befindet sich hier ein Lehn-Gut, 2 Gasthöfe, viele Schenken, 5 Mühlen, mehrere Sägen, Zeuch-, Garten- und Zwirnbleichen, 1 Unterförsterei.
Das gethürmte hiesige Schloss (Rittergut, Anm. d. Red.) ist von alter Bauart und die Entstehung desselben in die graue Vorzeit zu versetzen.
Herzog Albrecht der Beherzte (1443 bis 1500, Anm. d. Red.) verkaufte es 1499 mit allen Rechten nebst Thum an seinen Rath Heinrich von Schönberg, dem Älteren zu Stollberg, dessen Nachkommen bis auf die neuesten Zeiten im Besitze derselben geblieben sind. Der jetzige Besitzer ist Herr Aug. Casp. Ferd. von Schönberg auf Thammenhain, Gelenauer und Purschensteiner Linie …
Als Parochie bestand Gelenau vor und über 100 Jahre nach der Reformation aus dem Kirchendorfe selbst, dem Filial Weissbach mit dem oberen Theile von Dittersbach. Im Jahre 1673 ward aber Weissbach eine besondere Parochie und erhielt 1680 das Filial Dittersdorf …
Die Kirche, deren Erbauungszeit nicht zu ermitteln ist, wurde 1580 verlängert und verschönert … Der Thurm ist ausgebaut. Im Jahre 1666 wurde derselbe vom Blitz getroffen, wodurch eine Reparatur sich nöthig machte. Im Jahre 1763 musste man statt der verfaulten Säulen an der Nordseite neue einsetzen, und bei diesem Baue mag der Thurm seine jetzige schiefe nach der Pfarrwohnung sich neigende Richtung erhalten haben.
Im Innern der Kirche befindet sich ein schönes steinernes Epitaphium, das dem gedachten Joachim von Schönberg von seinen Söhnen errichtet worden ist … Hans Dietrich von Schönberg beschenkte im 18. Jahrhundert die Kirche mit einer neuen Orgel, einem Altar und Beichtstuhl in prächtiger Bildhauerarbeit. …
Die Schicksale Gelenaus betreffend, hat der Ort im 30 jährigen Kriege (1618 bis 1648, Anm. d. Red.) viele Drangsale aushalten müssen, so wie die Notjahre von 1816 (das Jahr ohne Sommer, Anm. d. Red.)  und 1817 ihre Opfer forderten. Gelenau ist überhaupt ein sehr armer Ort und nur die erzgebirgische Genügsamkeit ist vermögend, gegen solche Noth und Ausdauer anzukämpfen.
Rühmend muss es aber auch anerkannt werden, dass die Gerichtsherren von Schönberg zu jeder Zeit darauf bedacht waren, Noth und Elend zu mildern und Hülfe zu schaffen …

Leicht gekürzt aus: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen, Hrsg., Gustav Adolf Poenicke, IV: Erzgebirgischer Kreis, Leipzig 1856, S. 116 f.

ÜBER DAS LANGE DORF GELENAU

Was war – Was ist

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Gelenau (Gäln), gelegen im romantischen Erzgebirge zwischen den Städten Chemnitz und Annaberg-Buchholz, ist ein Dorf mit einer langen spannenden Geschichte und einer pulsierenden Gegenwart. Die Historie reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Dichte dunkle Fichten- und Tannenwälder prägen damals diese unwirtliche Natur-Landschaft. Doch im Zuge der deutschen Ostexpansion (zirka 10. bis 13. Jahrhundert) dringen Siedler, vor allem aus dem Rhein-Main-Lahn-Gebiet und Thüringen, in dieses waldreiche Land ein und machen es durch Wald-Rodungen urbar – eine entscheidende Voraussetzung auch für die Entstehung des Dorfes Gelenau (geile, fruchtbare Aue), das 1273 urkundlich zum ersten Mal erwähnt wird. Der Ort schlängelt sich entlang eines Seitentales des kleinen, kaum 18 Kilometer langen Flusses Wilisch, der den langen, aus vielen Rieseln gespeisten Dorfbach aufnimmt. Gerichtsberg, Galgenberg und Kegelsberg sind die bedeutendsten Erhebungen des Ortes. Zumindest die Namen Gerichtsberg und Galgenberg lassen erahnen, was sich hier im Mittelalter möglicherweise ereignet hat. Heute genießt man von diesen Höhen aus romantische Ausblicke auf den Ort und seine pittoreske Umgebung.

Das Dorf erstreckt sich über eine Länge von zirka sechs Kilometern mit einem Höhenunterschied von 250 Metern. Deshalb spricht man häufig von Unter-Gelenau (370 Meter hoch) und Ober-Gelenau (620 Meter hoch). Gegenwärtig leben zirka 4 500 Menschen in dieser malerisch gelegenen Gemeinde, die zur Region Ober-Erzgebirge – von Gelenau bis Oberwiesenthal – gehört. Wirtschaftlich ist der Ort im Verlaufe seiner Geschichte vielfältig geprägt worden. Der Bogen spannt sich von der Landwirtschaft über das Handwerk und die Strumpfwirkerei bis hin zu Spinnereien und Strumpffabriken im Industrie-Zeitalter. Die industriell geprägte Landwirtschaft, das Handwerk sowie Dienstleistungsunternehmen dominieren heute das wirtschaftliche Geschehen. Zwei traditionsreiche Schulen gibt es im Dorf: die Pestalozzi-Grundschule und die Freie Schule Erzgebirgsblick, eine Ganztagsschule.

Kulturell bietet Gelenau seinen Bewohnern oder Besuchern vielfältige Kultur- und Sportmöglichkeiten. Dazu zählen beispielsweise ein attraktives Erlebnis-Schwimmbad, Sportplätze und –hallen, ein fast 30 Meter hoher Aussichtsturm, Wanderwege, ein Strumpf-Museum, eine öffentliche Bibliothek, ein Club-Kino und Wintersport-Möglichkeiten.

Eine besondere Sehenswürdigkeit des Ortes ist die evangelisch-lutherische Dorfkirche aus dem 16. Jahrhundert, die am Fuße des Gerichtsberges steht und weit sichtbar über dem Dorf thront.

Eingebettet ist das Dorf in eine zu jeder Jahreszeit malerische Erzgebirgslandschaft mit ihren Bergen und Tälern, ihren Wäldern, Wiesen und Feldern.

Von FACHWERK- und SCHIEFER-HÄUSERN und einem RITTERGUT

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Zu Beginn der Besiedelung des Erzgebirges, die mit umfänglichen Wald-Rodungen einhergeht, bauen die Menschen ihre Unterkünfte, ihre Häuser, Ställe und Scheunen, ihre Kapellen und Kirchenkomplett aus Holz. Wahrscheinlich im 12. und 13. Jahrhundert kommt die Fachwerk-Bauweise, die durch ein tragendes Holzgerüst (Tannen-, Fichten-, Eichenholz) und durch einen Holz-Lehm-Verbund oder durch Ziegelsteine ausgefüllte Zwischenräume charakterisiert ist, ins Erzgebirge – mitgebracht offensichtlich von den Siedlern und Einwanderern aus Thüringen und Franken. Es ist nicht verwunderlich, dass sich im holzreichen Erzgebirge diese im Vergleich zum reinen Holzhaus stabilere Bauweise rasch verbreitet hat – meistens aber mit weniger Holz-Schmuckelementen als in anderen deutschen Regionen, wie beispielsweise im Harz oder in der Oberlausitz. Dafür gibt es sicher viele Gründe. Die durch den intensiven Bergbau im Erzgebirge und das Hüttenwesen wohl bereits im 16. Jahrhundert einsetzende Holzknappheit, die einen sparsamen Einsatz dieses Materialsim Häuserbau erzwingt, gehört bestimmt dazu. Belegt unter andern durch kurfürstliche Verfügungen, dass Holz für ganze Häuser nicht mehr verwendet werden darf und Steine, zumindest für ein Geschoss, genutzt werden müssen. Der vorherrschende Stein-Häuserbau geht natürlich auch im Erzgebirge einher mit der zu Beginn des 19. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung des Wirtschaftslebens.

Die Fachwerkhäuser im Erzgebirge haben überwiegend einen massiven, steinernen Unterstock und einen Fachwerk-Überstock mit grauen Schieferdächern.

Ansehnliche und für das Erzgebirge typische Fachwerkhäuser sind auch in Gelenau zu finden und zu bestaunen – sei es auf einem Spaziergang entlang der langen Hauptstraße des Dorfes oder auf den davon abzweigenden Nebenstraßen und Wegen. Umläuft man Gelenau auf dem Höhenweg, dann kommt man im Süden an einem prachtvollen, alleinstehenden und von hohen Laub-Bäumen und Fichten eingerahmten Fachwerkhaus vorbei – ein Sinnbild der Harmonie von Natur und Baukunst, ein romantischer Anblick zu allen Jahreszeiten. Auf diesen Wanderungen fallen dem aufmerksamen Beobachter natürlich die für das Erzgebirge und für Gelenau typischen sowie imposanten schieferverkleideten Steinhäuser auf; und sicher auch, wie Fachwerk-Bauweise und Schieferverkleidung sich kunstvoll und spielerisch in einem Bauwerk vereinen können. Für Geschichte und Gegenwart des Dorfes ist der prachtvolle Bau des einstige Rittergutes, der seit 1907 Rathaus des Ortes ist, von besonderer Bedeutung: Er ist letztendlich der erhaltene steinerne Zeuge der bald 750 Jahre bestehenden, urkundlich verbrieften Existenz von Gelenau – wohl wissend, dass die Geschichte des Dorfes und auch des Rittergutes allerdings bereits im 12. Jahrhundert beginnt.

Als im Zeitraum von 1854 bis 1856 das Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen in fünf Bänden entsteht und von Gustav Adolf Poenicke bearbeitet und herausgegeben wird, ist im Erzgebirgischen Kreis auch das Rittergut Gelenau dabei, hier zeigend als Tonlithographie. Es ist nicht einfach nur als ein wirklichkeitsgetreues, mächtiges Bauwerk, sondern als eine anmutige, idyllische Vedute mit Hofwall, Hofteich und einigen tätigen Menschen dargestellt, die auf die wirtschaftlichen Potenzen des Rittergutes verweisen.

Das verdienstvolle, wohl kunstfreudige und -fördernde sächsische Adelsgeschlecht derer von Schönberg besitzt von 1533 bis 1907 das Rittergut in Gelenau und nicht nur das. Aber dies ist bereits eine andere lohnende Geschichte …

Wer kennt sie schon

die Wilisch in Gäln?

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Wohl kaum der Rede wert, die Wilisch in Gäln – ab und an kann man das auch von Ortsansässigen hören. Das scheint auch auf dem ersten Blick so zu stimmen. Fließt dieser Fluss doch unscheinbar nur auf einer kurzen Strecke durch Unter-Gelenau. Kein Flößer, kein Schiff, kein Schwimmer wurden je hier gesehen. Trotzdem gehört die Wilisch als Wahrzeichen zu unserem Dorf. Zahlreich sind die Gründe dafür. Drei davon seien angedeutet. Da ist zum einen der geschichtliche Bezug. Von Anbeginn jeder menschlichen Zivilisation haben die Menschen meistens dort gesiedelt, wo es Wasser in Gestalt von Bächen und Flüssen gibt. Zuallererst aus lebensnotwendigen, lebenssichernden Gründen.  Deshalb verwundert es nicht, dass entlang der Wilisch Menschen im Zuge der deutschen Ostexpansion (zirka 10. bis 13. Jahrhundert) das waldreiche, unwirtliche Land roden, sesshaft werden und so Hufen-Dörfer entstehen, die heute auf eine lange Geschichte zurückschauen. So eben auch Gelenau, das sich in einem Seitental der Wilisch entlang schlängelt. Mit seinem Dorfbach, seinem Mittel-Gebirgsbach, der sich aus Quellen und Rieseln der unmittelbaren Umgebung speist und bei starkem, anhaltendem Regen oder bei rascher Schneeschmelze durchaus bedrohlich ansteigen kann. So 1882 durch einen Wolkenbruch. Straßen und Wege sind sofort überflutet. Häuser werden beschädigt. Menschen kommen in den Fluten zu Tode – ein Denkmal im Dorf erinnert daran. Solche Gefahren gehen heute wohl vom Gelenauer Dorfbach, vor allem wegen der getroffenen Hochwasser-Schutzmaßnahmen, nicht mehr aus. Doch schwere Gewitter, sintflutartiger Regen, Wolkenbrüche sind nie auszuschließen und können selbst einen Dorfbach rasch in ein reißendes Gewässer verwandeln. So geschehen im Juli 2009. Der Bach mäandert durch den langen Ort und fließt in Unter-Gelenau in die Wilisch hinein.

Zum anderen ist die Wilisch einst ein Wirtschaftsfaktor ersten Ranges gewesen. Die Wasserkraft nutzend haben am Fluss prachtvolle Mühlen gestanden und gearbeitet, um die sich übrigens nicht wenige spannende, mündlich überlieferte Legenden ranken. Spuren von Kalköfen belegen, dass in Flussnähe einst Kalkstein gewonnen und gebrannt worden ist. Vor allem im Zuge der Industriealisierung vom 19. zum 20. Jahrhundert entstehen an der Wilisch große Fabriken der Textil- und Papierbranche – nicht zuletzt zeugt davon der mächtige Industriebau der einstigen Baumwollspinnerei (1906 erbaut) an der Wilisch in Gelenau.

Heutzutage haben sich die Wege entlang der Wilisch herausgeputzt für Wanderer und Radfahrer – vor allem dort, wo einst die Schmalspurbahn (1886 bis 1972) unmittelbar am Fluss entlang schnaufend fuhr und nützliche Dienste verrichtete. Eine Spazierreise an der Wilisch entlang, zu Fuß oder per Rad, ist zu jeder Jahreszeit ein beeindruckendes Natur-Erlebnis durch eine malerische und abwechslungsreiche Flusslandschaft, die in Harmonie mit schmalen und manchmal weiten Tälern, steil aufsteigenden Höhen und felsigen, bewaldeten Bergen steht. Der Fluss, kaum dass er an den letzten Häusern von Gelenau vorbei geflossen ist, erreicht hier sein weitestes Tal mit einer breiten und idyllischen Auen-Landschaft. Verweilt man hier, schaut zurück in Richtung Gelenau, eröffnet sich ein pittoresker Weitblick über die einstige Baumwollspinnerei hinweg bis zum Gerichtsberg, dem höchsten Berg des Dorfes. Und für all jene unter uns, die an Kulturgeschichte interessiert sind, ist ein Wandern und Spazieren entlang der Wilisch noch immer auch eine spannende und lehrreiche Entdeckungsreise in das Leben und Tun der Menschen an der Wilisch, in ihre Geschichte und Kultur – einst und jetzt.

 

Über die Wilisch

Die Wilisch entspringt im Greifensteingebiet, oberhalb des Ortes Ehrenfriedersdorf; sie ist weder breit noch tief. Sie vereinigt sich mit dem Jahnsbach vor dem Ort Herold und windet sich in zahlreichen Bögen durch sehenswerte Erzgebirgsorte, wie Herold und Gelenau. Sie  durchfließt reizvolle kleine und größere Steinbogenbrücken. Neben Fichten stehen und wachsen an der Wilisch hohe alte Laubbäume – vor allem Buchen, Eichen, Birken, Linden und Ahorn. Vom Quellgebiet bis zur Mündung beträgt das Längsgefälle des Flusses zirka 310 Meter. Nach knapp 18 Kilometern mündet die Wilisch, mal plätschernd, mal brausend, in die Zschopau bei Wilischthal.

Dänische Partnergemeinde von Gelenau seit 1995

Romantisches Skørping

(Rebild Kommune)

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Skørping. Gelenau. Seit 25 Jahre verbindet die beiden Gemeinden eine enge Partnerschaft (siehe dazu Amtsblatt Gelenau, Februar 2021, S. 28 f.).

Die dänische Partnergemeinde des Dorfes liegt in einer malerischen Natur- und Kulturlandschaft in Nord-Jütland – unweit der prachtvollen alten Stadt Aalborg am Limfjord, im größten natürlichen und zusammenhängenden Waldgebiet Dänemarks, Rold Skov genannt, das sich über mehr als 80 Quadratkilometer ausdehnt. Eine einzigartige Wald-, Heide- und Wasser-Landschaft mit reichem Tierleben gibt es hier zu erleben und zu bestaunen. Unter anderem reicht das von uralten krummen, aus vielen Stämmen bestehenden, mit Moos bewachsenen Rold-Buchen, die sich über Jahrhunderte den hier herrschenden sandigen Lebensbedingungen angepasst haben. Über die dicht bewaldete Hügellandschaft Rebild Bakker (Naturschutzpark) mit grasenden Schafen und enorm wasserreichen Quellen mit seltenen Pflanzen und Tieren bis hin zu großen Seen mit glasklarem Wasser. Nahe bei Skørping lädt der mitten im Wald gelegene reizende Gasthof Rold Storkro zum Rasten bei einem vorzüglichen Mahl ein. Der Gast kann hier auch vorzüglich übernachten.

In der dänischen Gemeinde leben knapp 3 000 Menschen; sie gehört zur Rebild Kommune, die sich aus vielen kleinen Orten zusammensetzt. Skørping ist verkehrstechnisch gut angebunden; auf der Bahnlinie zwischen den Städten Randers (im Süden) und Aalborg (im Norden) verkehren moderne S-Bahnen. Der Bahnhof befindet sich gleich am Ortseingang; gegenüber steht das Kultur- und Touristikzentrum des Ortes. Direkt im kleinen Zentrum der Gemeinde befindet sich auch ein Hotel.

Ganz gleich aus welcher Richtung man sich Skørping nähert: Die auf einem Hügel stehende hohe weiße Kirche mit dem roten Dach ist nicht zu übersehen – ein spätromanischer Ziegelsteinbau, der über die Jahrhunderte viele bauliche Änderungen erfahren hat. Im Kirchen-Innenraum, klein und schlicht ausgestattet, in den Farben weiß und blau gehalten, dominiert eine kunstvoll in den Raum eingefügte, vom Boden bis zur Decke reichende Orgel. Ihrem warmen und mächtigen Klang zu lauschen, ist ein großartiges Erlebnis, ein Vergnügen.

Von besonderem Reiz, dies sei noch erwähnt, zeigt sich Gammel Skørping (Alt-Skørping) mit seinen alten und niedrigen Fachwerk-Häusern und der kleinen, aus dem 12. Jahrhundert stammenden Wallfahrtskirche.

Nun ja, da kann man nur sagen: Auf nach Nord-Jütland, nach Skørping! … wenn Reisen auch nach Dänemark wieder möglich sein werden …

BERGAUF, BERGAB – AUF SKIERN, MIT DEM SCHLITTEN, ZU FUSS

Vom Winter in Gäln

750 Jahre Gelenau: 1273 bis 2023

Winter in Gäln. Über das Dorf kommen, nicht selten, über Nacht vom Osten her klirrende Kälte, starker Wind und viel, viel  Schnee. In der Frühe sind die Wege verschneit und verweht. Die Dächer der Häuser tragen weiße Hauben. Hoch liegt der Schnee vor den Haustüren. Schneewehen türmen sich auf Feldern und Wiesen. Aus den Wäldern sind über Nacht herrliche Märchenlandschaften geworden… Staunend schauen dann Jung und Alt auf Verwandlung und Verzauberung des Ortes durch die Ankunft des Winters. Dicke Mäntel, Pullover, Handschuhe, Schals, gefütterte Stiefel – die Winterkleidung liegt schon lange bereit und wird angezogen. Vergnügt und laut stapfen Kinder auf ihrem Weg zur Schule durch den hohen Schnee. Mütter oder Väter ziehen auf Schlitten ihre Jüngsten zum Kindergarten. Berufstätige bahnen sich den Weg zu ihren verschneiten Autos. Nicht nur rüstige Pensionäre beginnen schon am Morgen eifrig Schnee zu schippen. Natürlich hat der große Schneepflug schon in aller Herrgottsfrühe die wichtigsten Straßen des Dorfes vom Schnee befreit…

Das Leben mit Schnee, Eis und Kälte hat begonnen. So oder so ähnlich. Schnell wird das Winter-leben zum ganz normalen Alltag, denn raue, kalte und schneereiche Winter gehören zum Erzgebirge, auch zu Gelenau – und nicht nur auf die Kammlagen über 1 000 Meter Höhe. Besonders freudig wird die Ankunft des Winters natürlich bei den kleinen und großen Winter-Sportlern begrüßt: bei den Langläufern auf Skiern, bei den Abfahrtsläufern, bei den Rodlern, aber auch bei den heiteren Wanderern durch die verschneite Landschaft. Vielleicht geht es hinauf auf die Höhenwege, beispielsweise die Eisenstraße, auf denen man Gelenau fast durchgängig umwandern und dabei reizvolle Ausblicke auf Landschaft und Ort im weißen Schmuck genießen kann. Für die Abfahrtsläufer gibt es am Gerichtsberg einen zwar kurzen, aber steilen Skihang mit Schlepplift. Auf dessen Höhe angekommen, eröffnet sich ein malerischer Blick auf den gegenüberliegenden bewaldeten Kegelsberg. Tief durchatmend bestaunt man dieses Winter-Panorama und rauscht –

nach Augenblicken des Verweilens – mit frischem Mut und Schwung den schneebedeckten Steil-Hang erneut hinunter …